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Theorie und Praxis - die unbegriffenen Begriffe!

QualifizierungsfragenPosted by Detlef Diskowski Mon, May 27, 2013 22:24:02

ErzieherInnen meinen damit zumeist, das Auseinanderklaffen von Ansprüchen/Zielen und den realen Umsetzungsmöglichkeiten. "Theorie" ist die Erwartung von Wissenschaftlern oder Vorgesetzten ... oder auch die Konzepte in Lehrbüchern oder Bildungsplänen. "Praxis" ist dagegen etwas ganz anderes; die Wirklichkeit, die nach anderen Gesetzmäßigkeiten funktioniert und sich den Anforderungen widersetzt.

In der Fachdebatte, insbes. wenn es um Ausbildungsfragen geht, wird mit diesem Begriffspaar fast immer das Verhältnis der beiden Ausbildungsorte "Praktikumsstelle" und "(Hoch-)Schule" gemeint. Als "Theorie" erscheint alles Gerede, wenn es denn nur an der (Hoch-)Schule stattfindet - Praxis ist die Kindertagesstätte, das konkrete Tun.

Tatsächlich haben beide Vorstellungen mit "Theorie und Praxis" wenig zu tun und beide sind gleichermaßen naiv. Es würde dagegen die Diskurse bereichern, wenn man sich bemühte, die Begriffe zu begreifen. Dann würde deutlich werden, dass sich viel Gerede an der (Hoch-)Schule um relativ theoriefreie Konzepte dreht; dass Normatives an die Stelle der erklärenden Theorie tritt... und es könnte deutlich werden, dass es eine relevante und erkenntnisträchtige Praxis in der (Hoch-)Schule gibt. Das konkrete, praktischen Agieren im Sozialraum Schule oder aber in der Lernwerkstatt könnten zum Ausbildungsgegenstand werden.

Auf der anderen Seite kämen vielleicht die Theoriebildungsprozesse in der Praxis in den Blick, und (Hoch-)Schule könnte deren Bedeutung erkennen, wenn im Ergebnis praktischen Tuns Beobachtungen verallgemeinert, systematisiert und reflektiert werden.

Es ist eine armselige Wissenschaft, die so schlampig mit ihren Begriffen umgeht und mit dieser Schlampigkeit den ErzieherInnen den Wert der erklärenden Theorie vorenthält ... indem sie ihnen vorspielt, alles sei Wissenschaft, wenn es denn nur von Wissenschaftlern vorgetragen wird.

Den Nagel auf den Kopf traf nach meiner Auffassung Prof. Quadbeck-Seeger mit seinem Aphorismus: "Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist nicht so groß wie der zwischen Theoretikern und Praktikern!"

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Korrektur ... oder besser Ergänzung

QualifizierungsfragenPosted by Detlef Diskowski Mon, May 27, 2013 22:01:27

Im Dialog mit Bernhard Eibeck (s. Link) und in Diskussionen mit ErzieherInnen ist mir die Sorge deutlicher geworden, dass der ErzieherInnenberuf wieder in den Bereich vorprofessioneller Mütterlichkeit abgedrängt wird. Eine berechtigte Sorge, wie ich finde!

Liegt aber nicht vielleicht in der offensiven und positiven Bestimmung der Besonderheit dieses Berufs die Antwort ... statt dessen angstliche Vermeidung?

Wie es in der Medizin, der Psychotherapie etc. inzwischen zum diskussionsfähigen Topos geworden ist: Es ist nicht die Technik, das Konzept, weniger auch das Medikament .... es ist die Person und die Beziehung, die in der Lage ist, helfende Prozesse in Gang zu setzen. Weder bei Medizinern noch bei Psychotherapeuten, Seelsorgern oder verwandten Berufsgruppen ist "persönliche Eignung" ein Merkmal, dass Fundiertheit, Professionalität etc. in Frage stellt. Seien wir also mutiger!

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Gedankensplitter zur Ausbildungsfrage

QualifizierungsfragenPosted by Detlef Diskowski Mon, May 27, 2013 21:56:32

Im Moment beschäftigen mich stark Fragen der Qualifizierung pädagogischer Fachkräfte. Ich versuche, dieser zuweilen kurzschlüssigen und oft nur Bekanntes-wiederkauenden Debatte ein paar nachdenkliche und zuweilen radikale Impulse entgegen zu setzen. Viele Veröffentlichungen in Schrift und Rede scheinen mir vorrangig von Statusfragen getrieben zu sein; und leider sind das oftmals nicht einmal Sorgen um den Status der ErzieherInnen, sondern drücken vielleicht eher das Bemühen aus, den Status der Disziplin, der Ausbildungsstätte zu behaupten. Zuweilen drängt sich der Eindruck auf, es machten sich womöglich die Fachschul-, Fachhochschul- und Hochschullehrer mehr Sorgen um die eigene Bedeutung und den eigenen Status - als dass es um das Ansehen der ErzieherInnen ginge.

Die zentrale Frage gerät dabei in den Hintergrund: Was macht Menschen zu guten PädagogInnen? Das ist eine so einfache, wie schwer zu beantwortenden ... und vielleicht deshalb so selten gestellte Frage! Ich bezweifle, ob wir auf der Basis der Antworten, die in der Fachdebatte gegeben werden (man schaue nur auf die Kompetenzkataloge u.ä.), private und persönliche Entscheidungen über die ErzieherIn der eigenen Kinder treffen würden. Worauf lägen wir bei einer solchen persönlichen Entscheidung wohl Wert? Sind das die in den Kompetenzkatalogen genannten Merkmale???

Mir scheint, hier spielen andere Gesichtspunkte eine Rolle und vielleicht wäre das ein Ausgangspunkt für weitere Überlegungen zum Kern erzieherischer Kompetenz?

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